Archiv der Kategorie: Roman/Belletristik

[Gast-Rezension] Liebe zwischen den Zeilen (Birgit)

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‚Liebe zwischen den Zeilen‘
von Veronica Henry

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„Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde.“ Jean Paul

Die kleine Buchhandlung Nightingale Books hat Emilia von ihrem geliebten Vater übernommen. Im Herzen des verschlafenen Städtchens Peasebrook ist sie eine Begegnungsstätte für die unterschiedlichsten Menschen mit ihrem Kummer und ihren Träumen. Doch Julius Nightingale war ein großer Buchliebhaber und kein Buchhalter – der Laden steht kurz vor dem Ruin. Emilia bleiben nur wenige Monate, um diesen besonderen Ort vor einem Großinvestor zu retten. Denn nicht nur sie findet hier Freundschaft und Liebe … (Source: Goodreads.com)

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Das Cover gefällt mir sehr gut. Es ist hübsch gestaltet und man kann sich diese Buchhandlung gut in einem kleinen Ort in der Nähe von London vorstellen. Auch den Titel finde ich sehr passend.

Veronica Henrys Schreibstil fand ich ok. Anfangs vielleicht etwas schwer, aber wenn man sich einmal an die Geschichte und ihren Schreibstil gewöhnt hat, kommt man schnell voran.

Auch war es zu Beginn verwirrend, dass es so viele verschiedene Charaktere gibt. Es wurde die Gegenwart erzählt (Emilia erbt den Buchladen von ihrem Vater) aber gleichzeitig wurde die Vergangenheit von Emilias Vater erzählt wie er den Buchladen gekauft hat und wie er Emilia alleine groß gezogen hat.

Wenn man dann in der Geschichte drinnen ist und die verschiedenen Charaktere näher kennengelernt hat, fesselt das Buch und man fiebert mit den Personen mit.

Schlussendlich kann Emilia für sich die richtige Entscheidung treffen und auch die individuellen Geschichten der anderen Personen nehmen eine Wende zum Guten.

Es war auch toll, wie diese Geschichten alle irgendwie zusammenhängen.

 

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es ist hübsch gestaltet und man kann sich diese Buchhandlung gut in einem kleinen Ort in der Nähe von London vorstellen. Auch den Titel finde ich sehr passend.

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Ein nettes Buch um es sich im Sommerurlaub auf dem Liegestuhl gemütlich zu machen. Anfangs vielleicht etwas schwierig zu lesen aber dann konnte es mich doch mitreißen…

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3,5 of 5 points – (I really liked it)

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Liebe Grüße,
Birgit.


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Veronica Henry:
Veronica Henry was a television script writer before turning her hand to fiction. She has published sixteen novels which she describes as realistic escapism – her setting are gorgeous, but her characters have problems and dilemmas everyone can identify with.
(Source: Goodreads.com)

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Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an:

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[Gast-Rezension] Olivensommer (Birgit)

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English Cover

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‚Olivensommer‘
von Isabelle Broom

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Holly Wright hat schwierige Jahre hinter sich. Seit dem Tod ihrer Mutter ist sie Expertin darin, Menschen auf Abstand zu halten – so auch ihren Freund Rupert. Doch als Holly einen unerwarteten Brief ihrer Tante erhält, beginnen die sorgfältig errichteten Mauern zu bröckeln. Sie reist auf die griechische Insel Zakynthos, wo ihre Tante bis zu ihrem Tod gelebt hat, und folgt den Spuren ihrer Familie – einer Familie, von deren Existenz sie zuvor nichts wusste. Warum hat ihre Mutter nie von ihrer Schwester erzählt? Und was hat es mit der handgezeichneten Karte auf sich, die Holly und ihr Nachbar Aiden in dem alten Haus finden? (Source: Goodreads.com)

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Holly ist Jemand der sich bisher immer verstellt hat und Jedem vorgespielt hat wer anderer zu sein. Nie hat sie sich getraut ihre Verletzlichkeit oder Ihre negativen Eigenschaften herzuzeigen. Auch nicht ihrer engsten Freundin noch ihrem Freund den sie glaubt zu lieben. Die Erfahrungen in der Vergangenheit haben Sie sehr vorsichtig werden lassen. Doch auf Zakynthos erfährt sie vieles aus der Vergangenheit und auch über sich selbst. Sie erfährt was wirkliche Liebe ist und kommt ihren Wurzeln auf die Spur und erfährt wie es ist eine Familie zu haben.

 

Die Geschichte spielt auf der griechischen Insel Zakynthos und das Cover passt perfekt dazu. Farblich und auch von den Motiven. Versetzt einen in Urlaubsstimmung.

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Ein Buch, dass man gerne am Pool oder am Strand liest. Von allem etwas dabei: rätselhaft, Liebe, schöne Beschreibung der griechischen Insel Zakynthos mit Ihren Sehenswürdigkeiten.

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3,5 of 5 points – (I really liked it)

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Isabelle Broom:
Isabelle Broom was born in Cambridge nine days before the 1980s began and studied Media Arts at the University of West London before starting a career first in local newspapers and then as a sub editor at heat magazine. Nowadays, when she’s not writing novels set in far-flung locations, Isabelle spends her time being the Book Reviews Editor at heat and walking her beloved dog Max round the parks of north London. Her novels My Map Of You, A Year And A Day and Then. Now. Always. (Penguin Michael Joseph) are out now, and her fourth book, The Place We Met, will arrive later this year.
(Source: Goodreads.com)

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Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an:

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[Rezension] Bourbon Kings

German Cover

English Cover

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‚Bourbon Kings‘
von J. R. Ward

Bourbon Kings # 1

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Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familiendynastie großen Reichtum und viel Anerkennung eingebracht. Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich verbotene Liebschaften, skrupellose Machtspiele, Verrat, Intrigen und skandalöse Geheimnisse … (Source: Goodreads.com)

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Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich das Buch überhaupt lesen soll, da mich der Klappentext bereits skeptisch gemacht hat aufgrund des Themas. Aber ich bin ein riesiger Fan der Black Dagger Reihe und alles aus Wards Feder muss doch genial sein – zumindest dachte ich mir das. Leider was das nicht ganz der Fall.

Zuerst bin ich sehr neutral in die Geschichte gestartet. Sofort fällt der gewohnt gut geschriebene Text auf, der zwar durch lange Sätze besticht, aber dennoch nicht zu überladen und mit schönen Beschreibungen gut zu lesen ist. Immerhin ist es ein Erwachsenen- und kein Jugendbuch, daher hatte ich damit auch keine Probleme. Was mir jedoch schon eines gemacht hat, waren die ganzen Beschreibung über die Klamotten, über das Haus, über den Reichtum, über diesen SchnickSchnack usw. usf. Ellenlagen Auflistungen und genaue Details, die mir allesamt total egal waren und für mich nicht nur den Lesefluss gestört haben, sondern auch sehr zäh und langweilig waren. Manche Passagen habe ich daher ab der Hälfte nur noch überflogen. Das war mir einfach zu viel Prunk.

Was auch mein zweiter Kritikpunkt ist, oder einfach der Grund, warum es mir nicht gefallen hat. Es war eine Buchform der Serien „Reich und Schön“, „Revenge“ oder „Dallas“ – was mich schon im Fernsehen nicht anspricht und dann auch noch ewig davon zu lesen – nein dank. Leider nichts für mich.

Dafür fand ich es sehr gut gemacht und war es auch schon immer so von Ward gewohnt, dass man aus mehreren Perspektiven lesen konnte. Zwar sind die Hauptpersonen eindeutig der reiche Firmensohn der Bourbon Dynastie – Lane sowie die für die Gärten angestellte Lizzie, jedoch kamen auch zwei, drei andere Figuren zu Wort. Dennoch konnte mich keiner so richtig von sich überzeugen. Gerade einmal Lane, der zu Beginn noch etwas passiv war, hat sich zu einem interessanten Charakter, der anpackt gemausert. Lizzie packt zwar in ihrer Arbeit genauso an, aber sie ist leider so ein Mäuschen, die bei Problemen oder Missverständnissen nicht redet, sondern einfach davonläuft und die Sache dann ignoriert. Was mich persönlich irre macht. 😀 Tja, und zu den anderen kann ich nicht viel sagen, da hier niemand dabei war, bis auf die Köchin und Lanes Bezugsperson, aber ansonsten waren doch alle sehr eigen und zu verdorben und konnten mich nicht überzeugen. Ganz anders als bei den Black Dagger Reihe, in der auch gebrochene Figuren vorkommen, aber dort haben allesamt eine wundervolle sensible, lustige, berührende Seele innendrin. Das hat mir hier leider sehr gefehlt.

Außerdem haben wir eine Intrige, ein Drama nach der anderen und es war mir schlichtweg viel zu viel davon. Daher nein – leider war das Buch von der Thematik und dem Setting überhaupt nicht für meinen Geschmack gedacht und ich hätte es schon im Vorhinein wissen müssen. Nun bin ich schlauer und werde diese Reihe von Ward, egal wie sehr ich ihre anderen Fantasyreihen auch liebe, nicht weiterverfolgen.

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Das Cover ist mir persönlich zu pink bzw. bin ich kein Fan von Bildern, die komplett in einer Farbe gehalten sind. Das wirkt immer, als hätte jemand mit einem Leinwandpinsel darüber gemalt.

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Schweren Herzens kann ich einer meiner Lieblingsautorinnen nur zwei Punkte geben, was mir selbst im Herzen weh tut. Jedoch hat alles gefehlt, was ich sonst in ihren Büchern liebe und die Thematik und das Setting waren überhaupt nicht meins. Daher nur eine Empfehlung für Leser, die Dramen und Intrigen mögen oder Fans von „Reich und Schön“, „Gossip Girl“ und „Dallas“ sind.

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2 of 5 points – (Read at own risk!)

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Liebste Grüße


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#1: Bourbon Kings
#2: Bourbon Sins
#3: Bourbon Lies

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J. R. Ward:
J.R. Ward is the author of over twenty novels, including those in her #1 New York Times and USA Today bestselling series, The Black Dagger Brotherhood. There are more than 15 million copies of Ward’s novels in print worldwide and they have been published in 25 different countries around the world.

After graduating from law school, Ward  began working in healthcare in Boston and spent many years as Chief of Staff of one of the premier academic medical centers in the nation. She lives in the south with her incredibly supportive husband and her beloved golden retriever. Writing has always been her passion and her idea of heaven is a whole day of nothing but her computer, her dog and her coffee pot.
(Source: Goodreads.com)

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Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an:

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[Gast-Rezension] Das Weihnachtsdorf (Birgit)

German Cover

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„Das Weihnachtsdorf:
Roman – mit vielen Rezepten und Dekotipps“

von

Petra Durst-Benning

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Die Maierhofen – Reihe  # 2

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Wenn der Schnee fällt und die Sterne glitzern – dann ist Weihnachten im Genießerdorf!
Es ist Anfang Dezember im malerischen Allgäu. Maierhofen liegt friedlich im Schnee, Kerzenlicht funkelt in den Häusern. Der Trubel des Sommers ist längst vorbei, das große Kräuter-der-Provinz-Festival nur noch eine schöne Erinnerung. Langweilig wird es im Genießerdorf jedoch lange nicht, denn der erste Weihnachtsmarkt steht bevor. Wenn es nach Werbefrau Greta geht, haben dort Plastik-Nikoläuse und billiger Glühwein nichts verloren. Wird es aber den Maierhofenern gelingen, das Wahre und Gute in den Winter hinüberzuretten? Therese freut sich auf Feiertage in trauter Zweisamkeit, doch jemand will ihre Pläne durchkreuzen. Und während es Christine vor ihrem ersten Fest alleine graut, werden Roswitha und Edy auf die Probe gestellt. Junges Liebesglück, neue Sehnsüchte und zerschlagene Hoffnungen brauen sich zusammen wie Winterstürme. Wie viele kleine Wunder braucht es für das große Glück?
  (Source: Goodreads.com)

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Eine Geschichte, in die man leicht einsteigt und auch sehr gut zu lesen ist. Mir persönlich gefällt es, wenn in einem Buch über mehrere Personen geschrieben wird und man in ihre Geschichten eintauchen kann. Man kann sich durch die Beschreibung der Autorin auch sehr gut in das Leben im Dorf einfühlen. Es ist alles sehr bildhaft beschrieben und die Gefühle der Personen werden gut wiedergegeben.

Therese möchte mit ihrer neuen Liebe Sam feiern, Roswitha freut sich auf Weihnachten mit ihren pflegebedürftigen Eltern und ihrem Freund Edy. Greta will mit Vincent das erste gemeinsame Fest verbringen und Christine möchte nach einer Scheidung das erste Mal allein mit Ihren beiden Töchtern feiern.

Am Rande wird auch über die Vorbereitungen zum ersten großen Weihnachtsmarkt im Dorf erzählt und über die Stärken, die jede der vier Freundinnen einbringt, um ihn erfolgreich über die Bühne zu bringen.

Das Ende ist für mich nicht überraschend gekommen, den jeder bekommt doch ein wunderschönes Weihnachtsfest mit den Menschen, die er liebt.

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Sehr ansprechend im Weihnachtslook. Passt perfekt zum Thema.

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Ein gutes Buch für kalte Wintertage. Schön zu lesen und am Ende kann man sagen, es kommt meistens alles anders als man es plant.

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4 of 5 points – (Great, Great, Great)

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Vielen Dank für diese Gastrezension von:


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Petra Durst-Benning:
Petra Durst-Benning wurde 1965 in Baden-Württemberg geboren. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie historische und zeitgenössische Romane. Fast all ihre Bücher sind SPIEGEL-Bestseller und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. In Amerika ist Petra Durst-Benning ebenfalls eine gefeierte Bestsellerautorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Hunden südlich von Stuttgart auf dem Land.
(Source: Goodreads.com)

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Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an:

 

Blanvalet Verlag

 

[Rezension] Der kleinste Kuss der Welt

German Cover

French Cover

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‚Der kleinste Kuss der Welt‘
von Mathias Malzieu

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Ein romantisches Märchen über die Suche nach Liebe und die Zerbrechlichkeit des Glücks.

Ein melancholischer Erfinder trifft bei einem Tanzabend auf die atemberaubend schöne Sobralia. Doch als er allen Mut zusammennimmt und ihr einen flüchtigen Kuss gibt, wird sie unsichtbar. Mithilfe eines magischen Papageis gelingt es ihm, die unsichtbare Schöne wiederzufinden. Doch Sobralia wagt nicht, ihrem Verehrer ihr wahres Gesicht zu zeigen…
(Source: Goodreads.com)

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Kann man, obwohl einem das Herz gebrochen wurde, noch einmal die große Liebe finden? Ein melancholischer Erfinder versucht es zumindest. Er kann nicht anders, nachdem er einer wunderschönen Dame begegnet, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Doch als sich ihre Lippen für einen Wimpernschlag berühren, wird die Schöne unsichtbar. Nicht im Sinne von „in Luft aufgelöst“, nein, sie ist noch da, nur eben nicht mehr zu sehen. Nachdem sie sich aus dem Staub gemacht hat, ist der Erfinder von dem Gedanken besessen sie wiederzufinden. Doch wie soll er da anstellen? Wie soll er mitten in Paris eine unsichtbare Frau finden. Er klagt seiner Apothekerin sein Leid und diese weiß zum Glück Rat. Sie schickt ihn zu einem Privatdetektiv, der sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt hat, aber mit seinem Gespür für Frauen nicht nur schon so manche (fragwürdige) Eroberung gemacht, sondern auch die Lösung für das Problem des Erfinders. Er leiht ihm seinen magischen Papagei Elvis, der sowohl als Spürhund als auch als Diktiergerät funktioniert. Der Erfinder füttert den Vogel mit allen Informationen über die unsichtbare Frau, an die er sich erinnern und die auf die ein oder andere schräge Art beschaffen kann, und anhand dieser Daten geschieht das Wunder – Elvis macht die Frau tatsächlich ausfindig. Nach diversen Kommunikationen via Elvis kommt es zu einem Treffen zwischen dem Erfinder und seiner Angebeteten. Doch um wirklich zueinander zu finden, müssen nicht wenige Hürden überwunden werden, denn neben Unsichtbarkeit und gebrochene Herzen gibt es noch weitere gewaltige Schwierigkeiten, die das fragile Glück auf die Probe stellen.

Eigentlich ist es eine klassische Liebesgeschichte, die Mathias Malzieu hier präsentiert. Zwei Menschen mit emotionalem Ballast finden sich, verlieben sich, müssen aber verschiedene Probleme bewältigen, ehe sie miteinander glücklich werden können. Allerdings ist es eine klassische Liebesgeschichte in einem etwas anderen Gewand, umhüllt von einem märchenhaften Mantel. Wenn ich Der kleinste Kuss der Welt mit einem Wort beschreiben müsste, wäre das skurril.
Der Autor baut eine surreale Welt auf, die vor Kreativität und Fantasie nur so strotzt. Alltägliche Charaktere? Fehlanzeige. Verrückte Einfälle? Tonnenweise. Das ganze Gebilde ist außergewöhnlich und einzigartig, zauberhaft und verrückt. Wo bekommt man sonst eine Frau, die vom Küssen unsichtbar wird? Einen Papagei, den man quasi als WhatsApp-Ersatz benutzen kann? Einen Erfinder, der Kampfeichhörnchen züchtet, Mundharmonikabäume pflanzt oder Pralinen kreiert, die nach Kuss schmecken und jeden, der sie probiert in Verzückung geraten lassen? Und es mag merkwürdig klingen, aber die melancholische Grundstimmung, die sich durch die Geschichte zieht, ergänzt diese perfekt.
Genauso wie der absolut großartige Schreibstil, der mit einer Sprachgewalt daherkommt, die mich wahrlich begeistert hat. Ich hatte nie Interesse an der französischen Sprache, dieses Buch lässt mich allerdings wünschen, ich hätte die Sprache gelernt. Denn wenn es auf deutsch schon so wundervoll zu lesen ist, wie mag dann erst das Original klingen? Die vielen Metaphern haben mir wahnsinnig gut gefallen. Eigentlich ist das ganze Buch eine Metapher, was – wenn man denn möchte – ordentlich Interpretationsspielraum lässt. Und wenn man nicht möchte, nimmt man es einfach so hin, wie man es geschrieben steht, ohne dabei etwas zu verlieren.

Leider gibt es neben meiner Schwärmerei auch etliche Dinge, die mir nicht gefallen haben. Da wäre zum Beispiel der Erzählstil, der mir stellenweise viel zu direkt und infodumpig war. Bestimmte Dinge hätte ich gern erfahren und miterlebt, anstatt sie auf einem Silbertablett präsentiert zu bekommen.

Sehr schade fand ich auch die rasche Entmystifizierung der Angebeteten. Eben war sie noch die mysteriöse Unsichtbare, plötzlich ist sie – zwar immer noch unsichtbar – eine „normale“ Liebschaft. Der Reiz des Ungewöhnlichen ist mir viel zu schnell verloren gegangen.
Was mich am meisten gestört hat, waren allerdings Dinge, die der Hauptprotagonist von sich gibt und tut. Als erstes hat mich seine Brust-Besessenheit genervt. Sowohl in der Erzählung selbst als auch in den Gedichten/Geschichtchen, die er schreibt, geht es gefühlt ständig um Brüste. Es mag übertrieben sein, aber ich kann es nicht leiden, wenn Frauen auf ihre Brüste reduziert werden. Worauf ich jedoch besonders allergisch reagiere, sind Aktionen wie Stalking – und was Monsieur Erfinder treibt, ist schon mehr als Grenzwertig – oder „ich steige mal des Nächtens in die Wohnung meiner Angebeteten ein, während diese friedlich schlummert und nichts davon ahnt“. Das geht für mich gar nicht, auch nicht unter dem Deckmantel Märchen. Das hat das Buch ordentlich (Sympathie)Punkte gekostet.

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Ein Traum. Anders kann ich es nicht sagen. Das Cover ist eines der schönsten, die ich bisher gesehen habe. Obendrein passt es zum Buch, spiegelt Teile des Inhalts wider. Auch die Innenseite der Klappbroschur ist wunderschön gestaltet. Es ist einer der Fälle, wo das deutsche Cover unendlich viel besser ist als das originale. Denn dieses ist nicht nur extrem unhübsch (ich wollte nicht hässlich schreiben…), sondern wirkt auch noch ganz schön gruselig.

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Für mich ist es nach wie vor schwierig, das Buch zu bewerten. Mit seiner tollen Sprache und der einzigartigen Plotidee hat es auf jeden Fall geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen. Jedoch passieren Dinge, die ich einfach nicht gutheißen kann, auch nicht in einem metaphorischen Märchen wie diesem. Was bleibt, ist eine skurrile Geschichte mit skurrilen Protagonisten und skurrilen Ideen, gespickt mit anrührenden und romantischen Momenten, aber auch mit vielen Schwächen, vor allem im Erzählstil und in den Handlungsweisen der Protagonisten. Das Ende stimmt versöhnlich, lässt die Schwächen aber nicht vergessen. Der kleinste Kuss der Welt ist definitiv nicht für jeden etwas. Wer schräge Liebesgeschichten mit einem gewissen Zauber und Melancholie mag und kein Problem mit tonnenweise Metaphern hat, wird hiermit sicherlich seine Freude haben.

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3 of 5 points – (I Liked it)


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(© Malzieu)

„Danke, dass Sie mir Gaspard Neiges Adresse gegeben haben. Er ist wirklich toll!“
„Keine Ursache. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass er Sie überrascht. Was kann ich für sie tun?“
„Ich hätte gern eine Packung Vitamin C und etwas Glück in der Liebe.“

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„Und wie hoch ist die ideale Liebesdosis in Millilitern? Ich werde darauf achten, sie nicht zu überschreiten.“
Ihre Antwort lautete: „Ich empfehle eine mikroskopisch kleine Dosierung und schicke dir viele Küsse aus Paris.“
Sicher wäre es einfacher gewesen, wenn wir SMS geschrieben hätten, auch wenn Elvis als Drahtlosvogel unschlagbar war. Ich beendete das Gespräch mit einer letzten Nachricht: „Wollen wir uns noch einmal nichtsehen?“

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Liebste Grüße

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Mathias Malzieu:
Mathias Malzieu, geboren 1974 in Montpellier, ist Frontmann der französischen Kultband „Dionysos“ und hat bereits mehrere Bestseller geschrieben. Er ist ein Meister im Erfinden von einzigartigen romantischen Traumwelten. Die Mechanik des Herzens wurde zum internationalen Überraschungsbestseller. Zuletzt erschien von ihm bei carl’s books Metamorphose am Rande des Himmels.
(Source: randomhouse.de)

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Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an:

carl’s books

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[Rezension] Die Katze des Dalai Lama

German Cover

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‚Die Katze des Dalai Lama‘
von David Michie

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»Der Dalai Lama ist ein Meister im Umgang mit dem Dosenöffner«, weiß His Holiness’s Cat. Dass er zudem einer der spirituellen Führer der Welt ist, findet die Hauskatze in Dharamsala durchaus angemessen. Während er Staatsmänner, Mönche, Prominente und andere Besucher unterweist, hält sie Hof. Was das Kätzchen dabei aufschnappt, gibt es – durch seine blauen, schrägen Augen betrachtet – auf ebenso inspirierende wie unterhaltsame Weise wieder. So erfährt man viel Berührendes und Überraschendes aus der Welt seiner Heiligkeit. David Michie gelingt ein kleines Kunststück: Seine Protagonistin holt die buddhistische Lehre auf den Boden und vermittelt »auf leisen Pfoten«, wie wir Menschen Glück und Sinn finden können.
(Source: Lotos Verlag)

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Der Dalai Lama ist gerade von seiner Amerika-Reise zurückgekehrt, als er auf der Straße eine Gruppe von Jungen sieht, die kleine Himalaya Kätzchen verkaufen. Da diese Rasse sehr hübsch ist und die kleinen Katzen natürlich richtig niedlich aussehen, sind sie alle bis auf eine schnell losgeworden. Die letzte Katze allerdings ist ein ganz kleines und schwaches Exemplar, das sich kaum noch bewegt. Sie wollen es gerade wegwerfen, als ein Assistent des Dalai Lama auf sie zukommt — sie wissen natürlich nicht, wen sie vor sich haben —, und das letzte Kätzchen für sagenhafte 2 Dollar kauft. Im Heim des Dalai Lama kann es sich gut erholen und lebt fortan ganz eng mit Seiner Heiligkeit zusammen. Sie sitzt, liegt oder schläft auf der Fensterbank, stromert durchs Haus und durch die Nachbarschaft. In dieser Geschichte berichtet sie von allem, was sie als Katze des Dalai Lama erlebt.

Dieser Roman ist eine ganz rührende Geschichte. Bücher, die aus der Sicht von Katzen oder anderen Tieren geschrieben sind, lassen sich mittlerweile recht oft in den Bücherregalen finden. Für mich haben diese Blickwinkel immer einen ganz besonderen Charme und auch diese Geschichte konnte mich berühren. Die KSH (Katze Seiner Heiligkeit) erlebt in ihrem Alltag allerhand katzenmäßige Abenteuer und unterhält damit sich selbst und auch alle Menschen um sich herum.

Doch in diesem Buch geht es natürlich nur vordergründig um die KSH. Im Inneren ist es eine kleine und lehrreiche Einführung in den Buddhismus und in die buddhistischen Weisheiten. Je Kapitel wird eine Lehre des Buddhismus ganz nebenbei erläutert, was oft nach dem gleichen Schema abläuft: Die Katze Seiner Heiligkeit macht sich über etwas Gedanken oder erlebt auf ihren Rundgängen etwas, das sie verwirrt oder ärgert. Gleichzeitig bekommt der Dalai Lama oft auch noch Besuch, der — oft ohne es zu wissen — gerade ähnliche Gedanken oder Sorgen wie die KSH hat. Der Dalai Lama oder ihm nahestehende Personen unterhalten sich dann über das Problem, während die Katze in der Nähe ist, zuhört und es dem Leser eben erzählt.

Die Gespräche sind — typisch buddhistisch — nie darauf ausgelegt, den anderen zu belehren, sondern ihn behutsam zu einer Selbsterkenntnis zu verhelfen. So unterhalten sich die Besucher mit dem Dalai Lama oder anderen kundigen Personen über Geduld, Gelassenheit, Wut, Ängst, Fremdwahrnehmung, Völlerei und viele weitere Eigenschaften. Stets schaffen sie es dabei, wenn auch nicht sofort, dann eben mit Geduld, ihren Gesprächspartnern mit ihren Sorgen zu helfen. Und die KSH? Die sitzt daneben, hört zu, wendet die Gespräche und Gedanken auf ihre eigenen Probleme an und versucht selbst eine bessere Katze zu werden.

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Sehr schade, dass man von der Katze so wenig sieht, denn das, was man sehen kann, ist schon einfach so wunderhübsch! Verliert bestimmt noch mal mehr Haare als andere Rassen, aber das sieht so schön flauschig aus. ❤

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Wer sich für den Buddhismus interessiert, etwas über buddhistische Weisheiten und die Lehre erfahren und nebenbei noch eine niedliche Geschichte erleben möchte, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Die Lektüre hat mir viel Spaß gemacht, mich unterhalten und so einiges über die buddhistische Lebensweise gelehrt.

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4,5 of 5 points – (soo awesome!)


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(© Michie)

Tenzin las Chogyal den Brief mit für ihn ungewöhnlicher Ergriffenheit vor. »Ich arbeite jetzt schon über zwanzig Jahre hier«, sagte er, »aber manche Dinge können mich immer noch überraschen. Wenn die Menschen das Wohlbefinden der anderen zur Triebfeder ihres Handelns machen, dann ist das Resultat einfach…«
»Überwältigend?«, fragte Chogyal.
»Ja. Genau.«

Wenn es um unsere Probleme geht, stehen wir alle vor dieser Entscheidung. Wir haben nicht um diese Probleme gebeten. Wir wollen sie nicht. Aber ausschlaggebend ist allein, wie wir damit umgehen. Mit Weisheit können die größten Schwierigkeiten zu den größten Einsichten führen.

»Ein Buddhist« — der Lama legte herausfordernd den Kopf schief — »würde Sie als Faulpelz bezeichnen.«
Im Gegensatz zu sonst errötete Sam jetzt nicht, sondern wurde käseweiß.
»Selbstverachtung, die Vorstellung, dass man zu nichts taugt, dieses ›Ich kann dies nicht, ich kann jenes nicht‹ ist ein Zeichen der Schwäche. Diese Schwäche müssen Sie überwinden.«

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Erleuchtete Grüße


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#1: Die Katze des Dalai Lama
#2: Die Katze des Dalai Lama und die Kunst des Schnurrens (Oktober 2015)
#3: The Dalai Lama’s Cat and the Power of Meow (noch kein deutscher Titel bekannt)

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David Michie:
David Michie, geboren in Zimbabwe, lebt heute in Australien, wo seine Bücher Bestseller sind. Ursprünglich Thriller-Autor, gelingt es dem praktizierende Buddhist mit Bravour, buddhistische Gedanken in moderner, verständlicher Form einem breiteren Publikum nahezubringen.
(Source: Lotos Verlag)

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Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an:

den Lotos Verlag

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[Rezension] The Girl on the Train

German Cover

English Cover

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‚The Girl on the Train‘

von Paula Hawkins

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Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse.
(Source: blanvalet)

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Rachel, die jeden Tag dieselben beiden Züge nimmt, um in die Stadt und wieder zurück zu fahren, hat momentan ein trauriges Leben. Sie leidet immer noch unter der bösen Trennung von ihrem Mann und hat dazu noch ein ziemlich schwerwiegendes Problem: Sie trinkt. Jeden Tag. Und denkt an nichts anderes. Der einzige Lichtblick ist das junge Paar auf dem Balkon in dem Haus neben den Schienen, das sie auf ihrer täglichen Reise betrachten kann. In ihrem Kopf sind sie das perfekte Paar, doch eines Tages werden selbst ihre Wunschgedanken tief erschüttert, als sie plötzlich etwas sieht, das sie nie erwartet hätte. Jetzt kann sie sich nur noch einmischen…

Diese Geschichte ist ein einziges Verwirrspiel. Wir erfahren als Leser die Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln, dazu verschieben sich auch immer wieder die Zeitebenen. Mal erfahren wir etwas aus der Vergangenheit, das die Gegenwart durchaus erklären könnte. Dann kommt in der heutigen Zeit etwas ans Licht, das die vergangenen Erlebnisse wieder mal verwirrend und fragwürdig macht. Die Autorin Paula Hawkins hat es hier wirklich geschafft, mich als Leser bis zu einen gewissen Zeitpunkt komplett an der Nase herumzuführen.

Rachel ist dabei ein ziemlich faszinierender Charakter, mit der ich oft ziemliches Mitleid hatte, mich aber auch gleichzeitig vor ihr geekelt habe. Ihr Alkoholproblem ist wirklich sehr präsent, es beeinflusst ihr ganzes Leben und damit natürlich auch die Kapitel, die aus ihrem Blickwinkel geschrieben sind. Immer wieder erleben wir die Nachwirkungen ihrer Abstürze und wie sie einfach nichts dagegen machen kann. Und das ist auch das Spannendste an Rachels Perspektive: Die meisten Abstürze enden nämlich in einem ausgewachsenen Blackout und man muss mit ihr zusammen rätseln, was passiert sein könnte. Oder ob es wirklich so passiert ist, wie Rachel sich zu erinnern meint, ob sie sich gar selbst etwas vormacht. Das macht Rachel zu einer typischen unzuverlässigen Erzählerin, was für mich den größten Teil der Spannung ausgemacht hat.

Nach und nach entwickelt sich die Geschichte in eine ziemlich komplexe und sehr ernste Richtung. Rachels Blickwinkel ist dabei nicht die einzige, die anderen Personen (die man meiner Meinung nach erst beim Lesen entdecken sollte) tragen ziemlich zur Verwirrung bei, sind ebenso interessant, dabei teilweise aber leider klischeehaft. Auch der Showdown kam mir eher so vor, als hätte ich ihn schon in vielen anderen Geschichten erlebt, aber der Weg dahin war immerhin unglaublich packend und dramatisch.

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Beide Cover gefallen mir sehr gut, weil sie super zum Thema der Geschichte passen. Schon die Cover an sich sind selbst in Bewegung, da muss ich die Designer echt loben. Die Coverbilder rauschen nur so vorbei, genau wie die Gedanken der Charaktere.

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Ein toller Roman mit komplexen und ernsten Themen, die auf eine ganz besondere Weise aufgearbeitet werden. Paula Hawkins schafft es erfolgreich, den Leser an der Nase herumzuführen und dabei faszinierende Charaktere zu erschaffen.

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4 of 5 points – (Great, Great, Great)

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(© Hawkins)

There’s something comforting about the sight of strangers safe at home.

Hollowness: that I understand. I’m starting to believe that there isn’t anything you can do to fix it. That’s what I’ve taken from the therapy sessions: the holes in your life are permanent. You have to grow around them, like tree roots around concrete; you mold yourself through the gaps.

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Liebe Grüße


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Paula Hawkins:
Paula Hawkins wuchs in Simbabwe auf. 1989 zog sie nach London, wo sie bis heute lebt. Sie arbeitete fünfzehn Jahre lang als Journalistin, bevor sie mit dem Schreiben von Romanen begann. Ihr erster Spannungsroman »Girl on the Train« eroberte in England und den USA auf Anhieb die Spitze der Bestsellerlisten, und noch vor Erscheinen sicherte sich DreamWorks die Filmrechte.
(Source: blanvalet)

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[Rezension] Gretchen

German Cover

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‚Gretchen‘
von einzlkind

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Gretchen Morgenthau ist eine Legende des Theaters. Zum Unglück ihrer Mitmenschen eine lebende. Die Karriere als Intendantin hat sie beendet, den Gottesstatus aber behalten. Ihr Leben in London könnte kaum großartiger sein. Doch dann geschieht das Undenkbare. Wegen einer Unachtsamkeit wird Gretchen zu vier Wochen auf einer Vulkaninsel bei Island verurteilt. Sie soll mit den Einheimischen ein Theaterstück aufführen. Keine gute Idee.
(Source: Heyne)

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Gretchen Morgenthau, 75 Jahre jung, geboren in Wien, aufgewachsen überall, hat ein abwechslungsreiches Leben am Theater verbracht und lebt jetzt in einer bescheidenen 120 Quadratmeter großen Wohnung in ihrer Wahlheimat London. Ihre Tage sind entbehrungsreich und voller schwerer Entscheidungen — heute ein Kleid von Luis Vuitton oder doch lieber Christian Dior? Welches Täschchen passt dazu? Welches Buch mit einem farblich passenden Cover und intellektuell ansprechendem Inhalt könnte man sich dazu unter den Arm klemmen? Ganz aus Versehen wurde sie letztens dabei erwischt, wie sie nach nur sechs bis höchstens acht Gläsern Wein Auto gefahren ist. Eventuell hat sie dabei noch die Polizistin beleidigt und deren Dienstwagen angefahren und ist deshalb ziemlich außer sich, als das Gericht ihr eine Strafe aufbrummt: Aus rein erzieherischen Zwecken muss sie sich ein paar Wochen auf der Insel Gwynfaer bei Island aufhalten und dort im Dorftheater Regie führen.

Gleich nach den ersten Zeilen wird klar, dass es sich bei der Protagonistin Gretchen Morgenthau um ein ganz besonderes Persönchen handelt. Eventuell auf ihre sehr spezielle Art sympathisch, aber im Grunde doch ein ziemliches Miststück und vor allem immer grundehrlich und direkt. Sie nimmt alles wörtlich, schlägt als Giftspritze ihre Gesprächspartner vor den Kopf, über- und untertreibt maßlos und kann sich ohne vor Sarkasmus triefenden Äußerungen gar nicht unterhalten. Obwohl ich mir sicher bin: Die meint das im tiefsten Inneren alles ernst. Fans von schwarzem Humor kommen hier auf jeden Fall nicht zu kurz, aber allzu sensibel sollte der Leser auch nicht sein. Einige Äußerungen könnten schon persönliche Grenzen überschreiten (siehe zum Beispiel Zitat 1 weiter unten). Für mich hat aber genau dieser Humor den Charme dieser Geschichte ausgemacht. Die Lektüre hat Spaß gemacht, hat mich an einigen Stellen sprachlos zurückgelassen oder vor Lachen gefährlich auf meinem Stuhl schwanken lassen.

Doch es geht in diesem Buch, das zwar nach ihr benannt wurde, nicht ausschließlich um Gretchen. Es geht um Kultur, um Menschen, um Beziehungen. Auf der Vulkaninsel Gwynfaer lernen wir noch so einige weitere Persönlichkeiten kennen, die mit voller Wucht gegen unsere Frau Intendantin prallen, allen voran Kyell, der später von Gretchen zum persönlichen Assistenten auserkoren wird. Zu Beginn des Buches musste er noch den Kater Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, liebevoll auch Stalin genannt, kastrieren (ja, da gibt’s detailreiche Beschreibungen), weil der Inseltierarzt noch seinen Rausch ausschlief, später muss er Gretchen über die Insel führen, ihr Gepäck tragen und sie wieder gesund pflegen (schwerer Alkoholrausch). Es geht auch noch um Tule, ursprünglich mal Kyells Kumpel, jetzt Gretchens Regieassistent, der nun alle Plattitüden, die im Kulturbetrieb vorkommen könnten, in einem Satz nachplappert und jedes Stereotyp perfekt in sich vereint. Damit treibt er natürlich nicht nur Gretchen in den Wahnsinn, auch ich als Leser musste mich so unglaublich fremdschämen. So interessant die Charaktere hier auch sind, so froh bin ich, dass ich niemanden im echten Leben begegnen müsste. Das wäre garantiert nicht gut für den Blutdruck. Dazu kam leider noch ein kleiner Wermutstropfen: Zwar waren die Charaktere spannend und zugespitzt, aber leider auch ziemlich einseitig. Gretchen konnte zwar immer wieder überraschen, weil sie einfach total verrückt ist, doch ihr Sarkasmus war dann doch immer der Gleiche. Immerhin blieb sie sich bis zum Ende des Romans treu — und damit garantiert ein Charakter, der in Erinnerung bleibt.

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Sehr schlicht und unauffällig. Vom Cover allein wäre ich nie auf die Idee gekommen, welch schwarzer Humor sich in der Geschichte verstecken könnte. Naja, nein, eher welcher schwarzer Humor dem Leser mitten ins Gesicht springt.

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Gretchen, nicht nur die Protagonistin sondern auch das Buch, ist böse, scharfsinnig und witzig. Es ist eine tolle Satire, die mit einer guten Portion Sarkasmus die Theaterwelt, Haute Couture und das Aufeinandertreffen verschiedenster Kulturen — Gretchen bildet ja mindestens ihre eigene — beleuchtet sowie knallhart und ehrlich das Leben aus einem ganz außergewöhnlichen Blickwinkel zeigt.

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4 of 5 points – (Great, Great, Great)


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(© einzlkind)

In Marylebone steckten sie fest, keinen Zentimeter ging es vorwärts, von weit her waren Sirenen zu hören, wahrscheinlich übten Menschen wieder totfahren.

Seine erste Freundin hieß Elin. Sie war acht, Kyell schon neun, aber der Altersunterschied war schnell vergessen, denn die Liebe machte in Gwynfaer die Menschen blind, kaum dass sie über den Gartenzaun spinksen konnten. Sie hatten sich beim Schneeballwerfen kennengelernt. Elins Wurftechnik war atemberaubend.

»[…] Sie fragte nicht mal, ob ich eine Tüte wolle. Wollte ich auch nicht, ich hatte ja einen Jutebeutel von Gaultier dabei, aber fragen hätte sie schon können, wie will man denn sonst eine Kundenbindung aufbauen?«
»Frau Intendantin, wenn Sie bitte mal zum Punkt kommen könnten.«
»Welcher Punkt? Der Jutebeutel war eine limitierte Sonderanfertigung.«

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Liebste Grüße


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einzlkind:
An dieser Stelle mal etwas anderes. Ich habe mehrere “Über den Autor”-Texte gefunden und, da ich sie genial finde, teile ich einfach beide. Dieser Mensch scheint ein einziges Kunststück zu sein.

Der Autor lebt in England. Oder in Deutschland. Er ist militanter Nichtraucher und schwer übergewichtig. Neulich erst hat er eine neue Kaffeemaschine gekauft. Seine alte war kaputt. (in seinem ersten Werk Harold)

Der Autor lebt. Sein Vorname ist vielleicht betamax. Obwohl er ja dann ein Videorekorder wäre. So viel aber kann verraten werden: Ein Videorekorder ist er nicht. Ansonsten gibt es kaum Neues zu berichten. (in Gretchen)

Visit his Website »»

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Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an:

© Random House

 

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