[Rezension] Auf und davon

German Cover

English Cover

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‚Auf und davon‘
von David Arnold

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Wer würde nicht gerne einfach mal verschwinden? In den nächsten Bus springen und alles hinter sich lassen? Genau das macht die sechzehnjährige Mim Malone. Es reicht ihr, immer das zu tun, was ihr Vater und seine neue Frau für richtig halten. Sie will wissen, weshalb ihre Mom aus ihrem Leben verschwunden ist. Und ihre Gedanken sollen endlich aufhören, in ihrem Kopf Karussell zu fahren. Also steigt sie einfach in den Greyhound-Bus und haut ab, zu ihrer Mom. Während draußen die Landschaft vorbeifliegt, macht Mim einige unvergessliche Bekanntschaften – die wunderbare Arlene, den unheimlichen Ponchomann und den äußerst attraktiven Beck, an den sie ihr Herz zu verlieren droht … Doch dann verändert ein tragischer Unfall von einem auf den anderen Augenblick alles. Und Mim muss sich den wirklich entscheidenden Fragen in ihrem Leben stellen.
(Source: Goodreads.com)

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Ein neues Leben anzufangen ist nicht leicht. Schon gar nicht für Mim, die erst ihren Verstand, dann ihre Mutter und zuletzt auch noch ihr Zuhause verloren hat. Mehr oder weniger. Mim ist in psychiatrischer Behandlung und muss Medikamente wegen irgendwelcher psychischer Störungen nehmen, ihre Eltern sind geschieden, ihr Vater hat neu geheiratet, und jetzt musste sie ihm und seiner Frau auch noch von Cleveland nach Mississippi ziehen. Sie beschließt, dass die das nicht tatenlos hinnehmen kann und rebelliert, denkt nicht daran, ihre Verärgerung herunterzuschlucken. Als sie dann noch feststellen muss, dass ihr ihre Stiefmutter Briefe von ihrer Mutter vorenthalten hat, und erkennt, dass ihre Stiefmutter ihrer Mutter auch noch nahegelegt hat, den Kontakt zu ihrer Tochter zu meiden ist der Ofen ganz aus. Ohne Rücksicht auf Verluste und Konsequenzen packt sie ein paar Sachen zusammen und haut ab, fest entschlossen nach Hause zu gehen und ihre Mutter zu sehen.
So beginnt sie, die abenteuerliche Reise, die sie fortbringt von schrecklichen Stiefmüttern, noch schrecklicheren Nachrichten und überhaupt allem, was schrecklich ist. Und während sich Mim immer weiter von Mississippi entfernt, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und treten neue Menschen in ihr Leben. Und nebenbei nimmt sie sich die Zeit, in einer Art Brieftagebuch, das sie für jemanden schreibt, ihre Vergangenheit aufzurollen und ihr Leben zu hinterfragen.

Dabei zeichnen drei Dinge diesen Roadtrip besonders aus:
1) Er ist unglaubwürdig.
2) Er ist unlogisch.
3) Er ist langweilig.
Und das ist eine sehr ungesunde Mischung.
Obwohl David Arnold nicht mit Dramen und Wendungen spart, plätschert das Buch vor sich hin, vermag weder zu fesseln noch Emotionen zu wecken. Hinzu kommt, dass es so gut wie keine Überraschungen gibt. Weder, was mit Mims Tante, welche ganz oft erwähnt wird, passiert ist, noch was mit Mims Mutter los ist, noch was die in der Geschichte immer wieder angesprochene „Sondermeldung“ ist, sorgt für Überraschungsmomente. Diese Punkte, die die Handlung eigentlich tragen sollten, sind derart vorhersehbar, dass es schon eine Tragödie für sich ist. Lediglich der Fakt, für wen Mim ihre Briefe schreibt, kann für ein erstauntes „Ach sooooooo?“ sorgen.
Damit könnte man leben, wenn denn der Rest passen würde. Tut er aber nicht. Das Buch ist vollgestopft mit und verzettelt sich in an den Haaren herbeigezogenem Drama und tonnenweise konstruierten Zufällen. Einiges, was in Fiktion präsentiert wird, kann man notfalls als künstlerische Freiheit verbuchen, auch wenn es in einer zeitgenössischen Geschichte eher schwer fällt. Dass eine Minderjährige ganz allein mal eben in einen Überlandbus einsteigt, um sonstwieweit zu fahren, ohne dass jemand nachfragt, mag noch okay sein. Dass ein minderjähriger Junge mit Behinderung allein im Wald lebt, ohne dass sich jemand einen Kopf zu machen scheint, kann man sich vielleicht auch irgendwie erklären. Aber dass ich ein Mädchen aus jeder Situation herausreden kann und entgegen aller Wahrscheinlichkeit weiter ihrem Ziel entgegenziehen kann, ist bar jeder Logik. Ebenso, dass es nach einem Unfall zu keiner Konfrontation mit der Polizei kommt. Und wenn es doch dazu kommt, wird mal eben eine Geschichte aufgetischt, mit den Augen geklimpert und gut ist. Ähm, hallo? Wenn sich nicht mal die Polizei dafür interessiert, dass ein minderjähriges Mädchen ganz allein durch die Pampa eiert, dann läuft echt was falsch.
Falsch ist auch, dass einige Dinge nur angerissen, nicht weitergeführt und nur mangelhaft bis gar nicht erklärt wurden. Ganz besonders Mims Krankheit, die ab und an zur Sprache kommt, aber nie richtig aufgeklärt wird. Bis zum Schluss ist mir nicht klar geworden, was nun genau mit Mim los sein soll, sodass es für mich einfach nur so aussah, als würde ihr Vater sie aus Spaß an der Freud, aus Paranoia und aus abstrusen Vermutungen mit Pillen vollstopfen.
Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, konnte ich obendrein nichts mit den Charakteren anfangen. Ganz besonders nicht mit Hauptprotagonistin Mim, die eine voreingenommene Ziege ist, deren Handeln und Nichthandeln teilweise grenzwertig und manchmal auch absolut verwerflich ist, und die Menschen abwertet und über sie urteilt, ohne sie zu kennen. So etwas kann ich absolut nicht ausstehen und damit war Mim bei mir unten durch. Die Protas mit größeren Rollen waren schnarchlangweilig. Die nette alte Dame war die nette alte Dame. Der gruselige Ponchomann war der gruselige Ponchomann, der hübsche Junge, der mit seinem Anblick den Tag rettet, war Angebetete, der den Tag rettet. Keine Überraschungen. Die restlichen Leute war mir zu blass, um wirklich etwas über sie sagen zu können, es ist keiner in meinem Gedächtnis haften geblieben. Und angesichts der Tatsache, wie grotesk und überzeichnet einige von ihnen waren.
Das Beste, was ich über das Buch sagen kann, ist wohl, dass ich die Blicke in Mims Vergangenheit teilweise sehr faszinierend fand. Die haben dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht ganz bei mir durchgefallen ist.
Der Schreibstil war auch ganz in Ordnung, allerdings ist mir das Hochtrabende darin auf den Keks gegangen. Was auch anstrengend war, war die Erzählstruktur. Oft hatte ich das Gefühl, ich lese eine Ansammlung von Gedankengängen und keine geschliffene Geschichte.

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Sommerliche Abendstimmung, ein Bus, ein Mädchen, es vermittelt ein Gefühl von Weite und vielleicht auch Einsamkeit, was den Roadtrip Gedanken und zum Teil auch den emotionalen Zustand der Hauptprotagonistin prima widerspiegelt. Das Cover könnte kaum besser passen und optisch ansprechend ist es auch. Selbst der deutsche Titel passt, was ja leider nicht immer der Fall ist. Es ist auch eines der wenigen Cover, wo mir sowohl die deutsche als auch die originale Version gefällt.

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Tja… Mich hat das Buch zu keiner Zeit überzeugen können, bin weder mit der Handlung noch mit den Protagonisten warm geworden. Es suggeriert einen Tiefgang, den es aber nicht gibt, wirkt zu gewollt, ist hochtrabend und moralisch fragwürdig. Das „für John Green Fans“ Label hätte mir eine Warnung sein sollen und ich denke, seine Fans könnten wirklich ihre Freude damit haben. Ich konnte mit der Geschichte jedenfalls nichts anfangen – und das lag nicht nur daran, dass ich absolut kein John Green Fan bin.

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2 of 5 points – (Read at own risk)


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(© Arnold)

»Das ist doch der Bus nach Cleveland, oder?« Ich wühle in meinem Rucksack. »Ich hab eine Fahrkarte.«
»Fräuleinchen«, sagt er mit vollem Mund. »Von mir aus kannst du Willy Wonkas goldenes Ticket haben. Es wird noch nicht eingestiegen.«
Vor meinem geistigen Auge beschießen tausend winzige Mims Carl mit Brandpfeilen und fackeln seine Haare in einem lodernden Feuerball ab.

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Ich gebe zu, anfangs hatte ich Bedenken, neben einer alten Dame zu sitzen: die altmodischen Hochsteckfrisuren, die ge- strickten Rollkragenpullis, der Geruch nach Zwiebelsuppe und nahem Tod. Aber da der Bus voll war, blieb mir wenig Auswahl in Bezug auf meinen Sitznachbarn. Entweder die alte Frau, der Ponchomann mit den glasigen Augen oder ein hundertfünfzig Kilo schwerer Jabba-the-Hutt-Doppelgänger. Also nahm ich den Platz. Hochsteckfrisur? Jawoll. Gestrickter Rolli? Alles da. Nichts, was die Greisenpolizei verärgern würde.

~~~

Ich senkte die Stimme, weil ich vor einiger Zeit gelernt hatte, dass ein Flüstern lauter als ein Schreien war. »Und mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin wütend. Und gelangweilt. Und ich finde, dass Dr.Makundi ein hunderttausendmal besserer Arzt ist als Sie.«
Wilsons Lächeln war zum Kotzen. »Und was ist mit den Stimmen, Mim? Ist das in letzter Zeit noch mal vorgekommen?«

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Liebste Grüße

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David Arnold:
Bevor er zum Schreiben kam, war David Arnold schon Musiker, Produzent, Vorschullehrer und Vollzeit-Dad. Auf und davon ist sein von Presse und Lesern begeistert besprochener Debütroman. Der Autor lebt mit seiner Familie in Lexington, Kentucky.
(Source: randomhouse.de)

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Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an:

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© Random House

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Veröffentlicht am 11.10.2015 in * Deutsche Rezis, Cont. Romances, Jugendbücher, Reinfall und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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