[Gast-Rezension] Der Marsianer (Anja)

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English Cover

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‚Der Marsianer‘

von Andy Weir

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Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden, schließlich war er der erste Mensch in der Geschichte der Raumfahrt, der je den Mars betreten hat. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes …
(Source: Goodreads.com)

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Robinson Crusoe auf dem Mars wäre wohl das Naheliegendste, wenn man das Buch kurz zusammenfassen müsste. Hier heißt Robinson allerdings Mark Watney und statt auf einer einsamen Insel strandet er auf dem Mars, da seine Crew aufgrund eines heftigen Sandsturmes ihre Marsmission vorzeitig abbrechen muss und ihn, nach einem Unfall für tot gehalten, allein auf dem roten Planeten zurücklässt.

Natürlich alles andere als tot, sieht sich Watney Schwierigkeiten gegenüber, die beenden könnten, was der Sandsturm begonnen hat: Ohne die Möglichkeit, zu seiner Crew oder zur Erde Verbindung aufnehmen, hockt er in einer Wohnkuppel, deren Stabilität auf 31 Tage ausgelegt ist, und muss hoffen, dass diese, der Sauerstoffgenerator und der Wasseraufbereiter nicht den Geist aufgeben. Und als wäre das nicht genug, kommt auch noch das Problem der Nahrungsversorgung dazu. Auf Rettung kann er nicht hoffen, immerhin ist er ja tot. Und die nächste Marsmission, die ihn aufgabeln könnte, lässt noch ein paar Jahre auf sich warten. Um es mit Watneys Worten zu sagen: „Also bin ich wohl im Arsch.“ Trotz seiner recht realistischen Einschätzung seiner Situation kommt aufgeben für ihn nicht in die Tüte und er nimmt dem Kampf ums Überleben auf.

Der Marsianer ist eine klassische „überleben unter widrigen Umständen“ Story und sie als etwas anderes als großartig zu bezeichnen, wäre gelogen. Und wer hätte gedacht, dass ein Buch, das mitunter wie eine Mathe-Chemie-Physik-Bio Lehrstunde daherkommt, so viel Spaß machen kann. Der Autor hat offensichtlich unglaublich gute Recherchearbeit geleistet, sodass die Geschichte und das ganze Drum und Dran rund, schlüssig und authentisch wirken.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Es gibt ein paar Längen und einige Gedankengänge des Hauptprotagonisten können leicht erschlagend wirken, da sie zu ausführlich sind und damit das Hirn eines normalsterblichen Nicht-Astronauten/Astrophysikers/NASA-Freaks mitunter überfordern. Einen Charakter etwas sehr spezifisches tun zu lassen, ohne dies in jeder Einzelheit zu beschreiben, hätte der Authentizität keinen Abbruch getan. Im Gegenzug dazu hätte es nicht geschadet, den Hauptprotagonisten ein wenig verzweifelter, leidender darzustellen; immerhin findet er sich in einer schier ausweglosen Situation wieder, in der auch ein hochspezialisierter, trainierter, ausgebildeter Charakter mal zusammenbrechen darf. Das ist eine Nuance, die Mark Whatney einen kleinen Zacken Realismus raubt.

Aber hey, das alles ist Jammern auf sehr hohem Niveau und es sind auch die einzigen Punkte, die ich als negativ bezeichnen könnte. Ansonsten bin ich voll des Lobes.
Die Charaktere sind fast durch die Bank großartig; keiner ist überflüssig, jede trägt etwas zur Story bei, sie sind greifbar und wirken echt.
Allen voran natürlich Hauptperson Mark Whatney. Abgesehen von den bereits erwähnten klitzekleinen Mängeln, macht er eine großartige Figur. Muss er auch, denn schließlich lastet das Buch zum größten Teil auf seinen Schultern. Er ist ein faszinierender Charakter, der seine Erlebnisse in einer recht, ähm, blumigen Sprache und mit ordentlichem Witz wiedergibt und sich nicht von der Ernsthaftigkeit seiner Lage unterkriegen lässt. Er ist super clever und mutig, gibt einfach nicht auf und es ist so unglaublich interessant und beeindruckend, ihn dabei zu beobachten, wie er gegen seine Umgebung kämpft, verrückte und vielleicht auch absurde Pläne schmiedet und versucht zu überleben und dabei so gut wie nie seinen (Galgen)Humor verliert und irgendwie immer einen flotten Spruch oder Fluch auf Lager hat.

Abgesehen von der Story und den Charakteren gibt es noch eine Menge kleine Dinge, welche an dieser Stelle nicht genannt, da selbst entdeckt werden sollen, die das Herz einiger Weltraumfans höher schlagen lassen. Und nein, Außerirdische und so Gedöns sind damit nicht gemeint (wären welche aufgetaucht, hätte das Buch ganz schnell gelernt, wie sich ein Flug aus dem Fenster anfühlt ^^).

Am Schreibstil gibt es nichts auszusetzen, der ist flüssig und direkt, ohne große Ausschweifungen, auf den Punkt. Der Autor nutzt verschiedene Stile und Stilmittel, schwenkt zwischen Ich- und Erzählerperspektive hin und her. Es kommen Emails, Blogposts, Quasi-Chatform und „normale“ Erzählweise zum Einsatz und mehr Personen als erwartet zu Wort.
Die meiste Zeit ist es allerdings Mark Whatney, der seine Erlebnisse in Form eines Tagebuches aufzeichnet. Das ist eine Erzählform, die mir eigentlich so gar nicht zusagt, hier aber perfekt passt, weil sie a) logisch ist und b) so bis zum Ende offen bleibt, ob Whatney sein Abenteuer überlebt oder nicht.
Dadurch bleibt die Geschichte durchweg fesselnd, aufregend und lässt den Leser durchweg mitfiebern. Was will man mehr?🙂

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Wie schön, dass der Verlag das Originalcover übernommen hat, denn es sieht nicht nur toll aus, es passt auch perfekt zur Geschichte (was ja nicht immer der Fall ist). Es spiegelt auf schlichte, reduzierte Weise wider, worum es in dem Buch geht: einen einsamen Astronauten auf dem Mars in einer prekären Situation. Besser geht es kaum. Ich finde es großartig.

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Der Marsianer ist eine witzige, unterhaltsame und spannende Überlebensgeschichte, die unglaublich realistisch daherkommt und mit einem sympathischen Alleinunterhalter (mehr oder weniger) als Hauptprotagonisten zu überzeugen weiß. Wer Storys ala Cast Away oder Robinson Crusoe mag und keine Angst vor realitätsnaher Science Fiction hat, kann hier eigentlich bedenkenlos zuschlagen.

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4,5 of 5 points – (soo awesome!)

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(© Weir)

„Ich bin so was von im Arsch.
Das ist meine wohlüberlegte Meinung.
Im Arsch.“
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„Ehrlich, jetzt reicht es, jetzt habe ich die Nase voll! Mir bleiben nur noch ein paar Minuten, ehe mir die Luft ausgeht, und verdammt will ich sein, wenn ich bei dem kleinen Spielchen mitmache, das der Mars mit mir spielen will. Ich habe das alles so satt, dass ich kotzen könnte!“
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„Dann fielen mir mehrere Dinge ein.
1. Die einzige Erklärung für die Asymmetrie der Sichtweite ist ein Staubsturm.
2. Staubstürme dämpfen den Wirkungsgrad von Solarzellen.
3. Meine Solarzellen haben seit mehreren Marstagen immer schlechter gearbeitet.
Daraus konnte ich das Folgende schließen:
1. Ich bin seit mehreren Tagen in einem Staubsturm.

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Vielen Dank für diese Gastrezension von:

http://anjaisreading.com/

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(© goodreads)

Andy Weir:
Bereits im zarten Alter von fünfzehn war Andy Weir als Programmierer für diverse Computerfirmen tätig und arbeitet inzwischen als Softwareentwickler. In seiner Freizeit interessiert er sich für Physik, Mechanik und die Geschichte der bemannten Raumfahrt – und natürlich für das Schreiben. Mit seinem Debütroman Der Marsianer wird er als die Science-Fiction-Entdeckung des Jahres gefeiert.
(Source: randomhouse.de/heyne)

Visit his Website »»

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Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an:

 

© Random House

 

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Veröffentlicht am 23.02.2015 in * Deutsche Rezis, Auch für Männer, Dystopie/ Sci Fi/ Steampunk und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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